Meine Gedanken zum Thema Stilfindung

Fotografie ist etwas, was immer auch mehr oder weniger unser tiefstes Inneres/unsere Seele mit einbezieht. Das drückt sich unter anderem in unserem Stil aus, aber beeinflusst natürlich alles rund um unsere Fotografie, weshalb ich euch so gerne immer mal wieder mit zu einem Ausflug in die Persönlichkeitsentwicklungs-Welt nehme. Wir können unsere Persönlichkeit ja nicht einfach wegsperren – sie beeinflusst jeden Lebensbereich, ob wir wollen oder nicht. 😉

Nun möchte ich heute einmal genauer auf das Thema Stil eingehen: Oft wird davon gesprochen, dass Fotograf X einen unverkennbaren Stil hat und man dadurch sofort wüsste, dass dieses Foto von Fotograf X sei. So eine Aussage wird meist als Kompliment aufgefasst, denn es bedeutet, dass Fotograf X kontinuierlich seinen Stil verfolgt – so lange, dass es den Kunden & Followern bereits (unbewusst) auffällt.
Ich glaube jeder Fotograf kommt irgendwann an den Punkt, dass er sich fragt „Was ist denn eigentlich mein Stil? Hab ich einen Stil? Wie finde ich das heraus?“.

Was verstehen wir eigentlich unter Stil?

Im Grunde gehört alles in die Kategorie „Stil“, was die eigene Arbeit auszeichnet. Das können bestimmte Bildlooks sein (das wohl Offensichtliste), aber auch bestimmte Lichtsetzungen, Effekte oder Kompositionen oder das immer gleiche Einsetzen von Farbe/Form/Struktur zählen dazu. Der Inhalt der Fotos zählt dazu, das was ich mit den Fotos in die Welt bringen möchte. Es umfasst also wirklich die gesamte Bildsprache.

Und hat jeder Fotograf (s)einen Stil oder muss ich ihn erst finden?

Selbst wenn ein Fotograf heute so und morgen so fotografiert/bearbeitet etc. -sich also ausprobiert- wenn er sich dabei nicht absolut verbiegt, wird er immer (!) einen Teil von sich selbst in die Fotografie einfließen lassen und das ist dann schonmal ein Teil seines Stils.
Wenn ein Fotograf beginnt, bestimmte Elemente bewusst oder unbewusst immer wieder einzusetzen, gehört dies zu seinem Stil.
Also nein, man muss ihn nicht erst finden, in meinen Augen zumindest nicht.
Es lohnt sich aber dennoch sich bewusst mit dem eigenen Stil zu befassen, denn so können viele Umwege vermieden werden, glaube ich.

Irgendwann kommt leider häufig der Punkt, dass Fotografen sich (zu) viel Inspiration von außen holen, was auch gut und wichtig ist – nur ist der Umkehreffekt oft, dass wir Fotografen dann etwas schön finden und bewusst oder unbewusst beginnen Elemente anderer Fotografen in unsere Fotografie mit reinzunehmen, die gar nicht wirklich (!) zu uns passen.
Ich bin zB schon lange ein Fan von Carmen und Ingo oder auch von Paul liebt Paula – zwei völlig gegensätzliche Stilrichtungen und doch find ich beide super reizvoll! Nun hab ich unbewusst und manchmal auch bewusst immer mal wieder versucht diesen Bildlook selbst zu kreieren und bin kläglich gescheitert. Es fühlte sich ganz komisch an und gelungen ist es auch nicht. Warum? Weil es nicht zu mir passt.
Warum auch immer, das ist völlig unwichtig.
Wichtig ist, dies früh zu erkennen: Wenn du dich (unbewusst) in eine Richtung bewegst, die nicht zu dir passt.
Manchmal dauert es eine Weile, bis man merkt, dass die eigene Seele, die Einzigartigkeit der Fotografie etwas verloren gegangen ist, weil man so sehr auf das Außen (und die Arbeit von anderen Fotografen) fokussiert war.
Wir Menschen versuchen immer Lösungen für alles im Außen zu finden, das ist zu einem gewissen Anteil auch wichtig – doch ein nicht zu unterschätzender Anteil darf auch immer von uns selbst entdeckt werden, indem wir uns auf eine kleine Innen-Reise begeben.
Wenn wir also in so einer kleinen „Sinnkrise“ sind, was den eigenen Stil betrifft und verwirrt sind, was denn jetzt wirklich zu uns selbst gehört und wo wir (unbewusst) andere nachahmen – dann hilft es, sich wirklich mal auf sich selbst zu fokussieren und sich dafür zu öffnen, den eigenen Stil neu zu definieren oder zu „finetunen“.
Das kann man dann natürlich durchaus als Stilfindung bezeichnen: Den Prozess bewusst zu erkennen, was zu einem selbst gehört, was man sich für den eigenen Stil wünscht, wie man den umsetzen kann und ihn sich dann immer mehr zu Eigen zu machen.


Tipp:

Hilfreich für das Finden und Definieren des eigenen Stils sind freie Projekte. Denn hier hat man absolute Freiheit sich auszuprobieren und ist völlig frei von Erwartungen und Druck. Das beflügelt die Künstlerseele! Ich mach es auch immer mal wieder und es tut jedes Mal gut und jedes Mal mache ich einen großen Sprung dadurch!

Wenn man den eigenen Stil gefunden hat, bleibt der dann?

Da ich der Meinung bin, dass unsere Fotografie immer auch uns selbst widerspiegelt -sofern wir eben ganz bei uns sind-, wird sich auch unser Stil immer mit entwickeln, so wie wir uns als Person entwickeln. Es kann also sein, dass der Stil sich über kurz oder lang mehrfach drastisch ändert, wenn wir uns mehrfach stark verändern, Entwicklungssprünge machen.
Den Wunsch, dass man seinen Stil einmal findet und dann für immer behält, den teile ich dadurch also nicht – ich möchte mich entfalten und genauso darf mein Stil sich mit entfalten.
Ich glaube es ist nur hinderlich, auf Biegen und Brechen am eigenen Stil festzuhalten. Über kurz oder lang wird sich dann etwas ganz schön falsch anfühlen. Ebenso, wenn man einfach plötzlich alles umwirft und genauso arbeitet, wie Fotograf XY, denn das hat man von ihm so gelernt und/oder findet es schön. Nicht falsch verstehen: Workshops, wo man lernt, wie andere Fotografen arbeiten, können unendlich inspirierend sein und uns voranbringen. Aber eben nur, wenn wir gleichzeitig immer den Fokus darauf halten, dass das was wir langfristig daraus für uns mitnehmen unserer Persönlichkeit entspricht und wirklich zu uns passt.
Ich glaube das kann man auf das ganze Leben übertragen: Das, was sich leicht und wirklich gut anfühlt, kann man ja mal ausprobieren und wenn es sich weiter gut und leicht anfühlt, langfristig integrieren. Das, was sich schwer und ungut anfühlt, einfach bei Seite lassen. (Manche Veränderungen führen allerdings erstmal durch ein schweres Gefühl hindurch, aber das sind dann Fälle, wo klar ist, dass am Ende etwas Lohnenswertes raus kommt und es ist durchaus möglich, seine Gefühle in dem Prozess „leichter“ zu machen.)

Tipp:

Es ist natürlich für Kunden wichtig, dass das was sie im Portfolio sehen, nicht allzu sehr von dem abweicht, was sie im Endeffekt auch bekommen. Heißt: Bei größeren Stilveränderungen das Portfolio unbedingt mit aktualisieren und zB Bildbearbeitungen einfach mal anpassen.

Mein Prozess der aktiven Stilfindung

Es begann im Jahr 2015 – irgendwie war ich immer mal wieder unzufrieden mit meiner Fotografie. Konnte es aber nicht genau benennen. Ein Schlüsselmoment war im Sommer 2015, wo ich seit langem endlich mal wieder ein freies Projekt umgesetzt habe. Hier habe ich das Licht mal etwas anders als sonst genutzt und auch in der Bearbeitung mal etwas anders gearbeitet. Ich traute mich mehr, wagte auch mal ungewöhnlichere Kompositionen… Mein Herz hüpfte ohne Ende!

Pferdefotografie Wuppertal NRW MeinFaible Pferdefotografie Solingen NRW MeinFaible Pferdefotografie Bergisches Land NRW MeinFaible Portrait Pferdefotografie Remscheid NRW MeinFaible
Danach folgten ein paar Shootings, wo ich das Gefühl hatte „da tut sich was“, aber da ich ohne genauen Plan und mit nur wenig Achtsamkeit dabei war, konnte ich es nicht genauer definieren. Genauso folgten auch immer wieder weiterhin Shootings, wo ich ein wenig unzufrieden war. 
Im Sommer 2016 begann dann eine Phase, wo ich mich eingehender mit dem Thema auseinandersetzte und vor allem bewusster. Seitdem setze ich nun gewisse Elemente bewusster und konsequenter ein und sehe eine Veränderung. Ich weiß nun ganz klar, was mein Stil ist und was er sein soll und behalte das bei jedem Shooting im Auge und arbeite darauf hin. Das gelingt mal richtig gut und mal seh ich da noch etwas Potential – aber ich hab ein klareres Bild vor Augen, wo ich hin will, als vor meiner intensiven Beschäftigung mit dem Thema Stilfindung.

Meine stilistische Veränderung in der Bearbeitung:

Wie ich es euch auch empfehle, bin ich grade dabei mein Portfolio zu sichten und gegebenenfalls die Bearbeitung meinem jetzigen Stand anzupassen. Damit ihr einen Eindruck bekommt, was sich da bei mir so getan hat, hab ich euch ein paar Vorher-Nachhers mitgebracht. 🙂

Bildbearbeitung Pferdefotografie Vorher Nachher

Bildbearbeitung Tierfotografie Vorher Nachher

Bildbearbeitung Tierfotografie Vorher Nachher

Bildbearbeitung Pferdefotografie Vorher Nachher

Bildbearbeitung Hundefotografie Vorher Nachher

Und wer gern mit mir noch tiefer in das Thema einsteigen möchte, hat im Frühjahr die Möglichkeit bei einem Workshop hier in Köln zu diesem Thema dabei zu sein. Da werden wir uns zwei volle Tage nur mit dem Thema Stilfindung auseinandersetzen und das Erarbeitete auch gleich in 2 Shootings und einem Bildbearbeitungsteil umsetzen. Jeder Teilnehmer kann wählen, ob er nur einen oder beide Tage dabei sein möchte. Genauere Infos über die Inhalte folgen ganz bald in der Ausschreibung. Ich freu mich auf jeden Fall schon riesig darauf euch durch diesen Prozess zu führen, das wird so toll !!

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